Bedrohung für Feuersalamander

Tödliche Gefahr lauert: Feuersalamander sind im Spessart am besten in der Dämmerung zu sehen. Foto: Thorsten Becker

Artenhilfsprogramm der Naturschutzverbände im Spessart.

Region – Naturschutzverbände fordern dazu auf, Feuersalamander online zu melden. Von den Daten erhoffen sich die Verbände mehr Erkenntnisse über die Verbreitung des Lurchs und die Ausbreitung des für die Tiere tödlichen Salamanderfresserpilzes Bsal. Das hat Jaqueline Kuhn vom Bund Naturschutz (BN) mitgeteilt..

Seit knapp drei Jahren erledigen die drei Naturschutzverbände Arbeiten zum Schutz des Feuersalamanders – dazu gehören beispielsweise die Entfernung von Quellfassungen und die Kartierung von Larvenbeständen im Spessart. Grund: Quellen wurden in den vergangenen Jahrzehnten oft eingefasst, die Quellbäche in Rohre gelegt. Die Feuersalamanderweibchen können ihre Larven dort nicht mehr absetzen.

Auch der Klimawandel bereitet den Feuersalamandern Probleme. „Ihnen macht die Trockenheit zu schaffen“, sagt Naturschützerin Malvina „Wenn kleine Bäche und Tümpel austrocknen, bevor die Larven entwickelt sind, wird es kritisch.“

„Neben dem Verlust seines Lebensraumes ist der Feuersalamander vor allem durch die für ihn tödliche Pilzerkrankung Bsal bedroht, deren weitere Ausbreitung wir verhindern wollen«, so Jacqueline Kuhn. Sie ist Regionalkoordinatorin für das Projektgebiet Spessart beim BN. Das Gebiet erstreckt sich über die drei Kreise Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart. Unterstützt werde sie von fünf bis zehn Ehrenamtlern, die entsprechend ausgebildet wurden.

Mit Bsal kennt sich Rudolf Malkmus aus Wiesthal aus. Der Amphibien-Experte berichtet von einer sich epidemisch ausbreitenden Seuche. Malkmus: „Die von mir an das molekulargenetische Labor in Trier gesandten Hautabstriche von Salamandern aus dem Spessart erbrachten noch keinen Hinweis auf eine Infektion.“ Und so können Naturfreunde bei der Feuersalamander-Aktion mitmachen: Wer in der Natur unterwegs ist und einen Feuersalamander entdeckt, kann über die genannte Webseite seine Beobachtungen über die integrierte Plattform Observation.org melden. Besonders interessiert sind die Artenschützer laut BN-Frau Jaqueline Kuhn, die promovierte Biologin ist, an genauen Angaben zum Fundort und zu möglichen Hautveränderungen des Tieres, die auf einen Befall mit Bsal hinweisen können. Auch Funde von toten Tieren seien von Bedeutung. Und: Wer die Larven des Feuersalamanders sicher bestimmen kann, hat die Möglichkeit, auch diese zu melden.

Biologin Kuhn: „Daraufhin können wir die Meldungen sichten und kontrollieren. So gewinnen wir hoffentlich vertiefende Erkenntnisse über den Feuersalamander, der typisch für unsere Quellbäche ist.“ Beobachter können ihre Meldung durch ein Bild des Tieres ergänzen. Kuhn weiter: „Die Fotos unterstützen uns dabei, eine Ausbreitung des Salamanderfresserpilzes frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.“

Fachleute wissen: Beste Gelegenheit, einen der auffällig gelb-schwarzen Salamander, die 15 bis 20 Jahre alt werden können, zu sehen, bietet sich in der Dämmerung oder in der Nacht bei Regen und Temperaturen um zehn Grad. Um die Ausbreitung der Salamanderpest zu verhindern, sei es wichtig, die Salamander nicht zu berühren.

Seit März 2021 setzen sich die Naturschutzverbände im Artenhilfsprogramm für den gefährdeten Feuersalamander ein. Bis Ende August 2024 zählen haupt- und ehrenamtliche Artenschützer an acht Standorten die Larven des Feuersalamanders in den bekannten Laichgebieten, um einen Überblick über den Stand der Dinge zu bekommen und Bestandseinbrüche frühzeitig zu erkennen.

Die acht Untersuchungsgebiete von Nord nach Süd: Rhön, Spessart, Frankenwald, Fränkische Alb, Hersbrucker Alb, Oberpfälzer Wald, unterbayerisches Hügelland mit den Isar-Inn-Schotterplatten und Alpenvorland. Derzeit bemühen sich die Naturschutzverbände um eine Projektverlängerung bis zum Jahresende.

Mitte 2023 wurde beim Feuersalamander-Projekt Zwischenbilanz gezogen. Die gute Nachricht: Der Hautpilz Bsal hat sich in den vergangenen zwei Jahren nicht weiter ausgebreitet.

Lurch-Fachmann Malkmus sagt: „So wie es aussieht, ist die Feuersalamander-Population im bayerischen und im hessischen Spessart nicht gefährdet“.

Jaqueline Kuhn hingegen ist skeptisch: „Bsal rückt immer näher an den Spessart heran. Vor allem der aktuelle Verdachtsfall in der Nähe von Ober-Ramstadt bereitet mir Bauchschmerzen. Vom Odenwald bis in den Spessart ist es ein Katzensprung.“

Der Feuersalamander ist laut dem Experten Rudolf Malkmus aus dem Spessart in 13 Unterarten verbreitet. Mit bis zu 28 Zentimetern Länge (in der hiesigen Region maximal bis 21 Zentimeter) ist er nach dem Spanischen Rippenmolch der größte Schwanzlurch Europas. Zwei Unterarten – der „gebänderte“ und der „irregulär gefleckte“ Feuersalamander – kommen im Spessart vor, so Malkmus. Da sich hier beide kreuzen, ist die Zeichnungsvielfalt der Spessart-Salamander beträchtlich. Malkmus: „Jeder von ihnen besitzt ein individuell spezifisches, sich wie ein Fingerabdruck lebenslang konstant erhaltendes Zeichnungsmuster.“ In Deutschland ist der Salamander eine Charakterart der Mittelgebirge, wo er von Quellbächen durchzogene Laub- und Mischwälder bevorzugt. Ideal sind strukturreiche, nährstoffarme, kühle (acht bis zehn Grad) Gewässer. In sie setzt er zwischen März und Mai bis zu 70 Larven ab. Der Spessart weist über 600 solcher Quellbäche auf und ist laut Malkmus in Bayern das Areal mit der höchsten Verbreitungsdichte des Salamanders. Malkmus: „In jahrelangen Kartierungen konnte ich in über 70 Prozent dieser Bäche Larvenvorkommen registrieren.« Feuersalamander sind dämmerungs- und nachtaktive Landtiere, die sich tagsüber in Verstecken mit hoher Luftfeuchtigkeit aufhalten. Zum Teil dienen diese Plätze auch als Überwinterungsquartier.

Von Matthias Schwind (ME)