Konkurrenzkampf wird härter

Die heimische Population der Turmfalken – hier ein 14 Tage altes Jungtier – bleibt weiterhin stabil. Foto: pm

Region – Die heimische Population der Turmfalken bleibt weiterhin stabil. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Vogelwarte Helgoland, Werner Peter (Freigericht) und Johannes Hetterich (Gelnhausen), trafen auch in diesem Jahr an vielen Traditionsbrutplätzen die häufigste Falkenart Deutschlands an.

Insgesamt registrierten und beringten die Ornithologen 69 brütende Paare und 275 Jungfalken. Die daraus resultierende Reproduktionsziffer von 3,98 Jungtieren pro Brutpaar liegt unter dem langjährigen durchschnittlichen Mittel. Eine regional vergleichsweise geringe Populationsdichte des Hauptbeutetiers, der Feldmaus, in den Brutmonaten April bis Juli dürfte hauptverantwortlich für die niedrige Reproduktionsrate gewesen sein.

Aus den erfolgreichen Bruten flogen zumeist drei bis fünf Jungfalken aus. Kopfstarke Bruten mit sechs oder sieben Jungtieren, die in Jahren mit sehr guter Nahrungsgrundlage regelmäßig zu finden sind, waren im abgelaufenen Brutjahr die Ausnahme. Im Gegenteil: Im Trafo-Turm von Gelnhausen-Hailer oder den Kirchtürmen von Nidderau-Eichen und Sannerz im Sinntal flogen nur zwei beziehungsweise drei flügge Falken aus.

Die zyklisch schwankenden Bestandszahlen der Beutetiere sind für die heimischen Bestände der Turmfalken auf lange Sicht jedoch von eher untergeordneter Bedeutung. Viel gewichtiger sind zwei Faktoren, die von Peter und Hetterich in den vergangenen Jahren immer häufiger beobachtet werden: Einerseits die stetig schrumpfende Anzahl an adäquaten Brutplätzen. Auch in diesem Jahr verloren die Turmbrüter wieder zwei ihrer Brutkistenquartiere durch Abriss von Dorfscheunen. Somit gewinnen die in den 80er und 90er Jahren kreisweit ehrenamtlich angebrachten Brutkästen in Kirchtürmen zunehmend an Bedeutung. Deren Verbleib ist dank der Unterstützung der Kirchengemeinden vielerorts gesichert. Ein zweiter Faktor ist die Bestandszunahme weiterer turmbrütender Vogelarten. So sind die Zahlen von Nilgänsen und Dohlen in den vergangenen Jahren dynamisch angestiegen. Gemäß ihrer arteigenen Brutbiologie beginnen Dohle und Nilgans zumeist bereits im zeitigen Frühjahr mit dem Brutgeschäft. Die Turmfalken, die zumeist um den 1. Mai ihr Gelege vervollständigen, haben dann oft das zeitliche Nachsehen. Außerdem tragen Dohlen sperriges Reisig als Nistmaterial in die Brutkästen ein und machen Brutplätze für andere Turmbrüterarten damit meist unbrauchbar. Die Populationsdynamik der Dohlen ist dabei im heimischen Main-Kinzig-Kreis für die Vogelschützer geografisch sehr gut nachvollziehbar.

Während der grauköpfige Krähenvogel noch vor 30 Jahren ein kreisweit recht seltener Brutvogel war, breitet er sich nun – vom Westkreis ausgehend – kontinuierlich gen Osten aus. Noch vor zwei Dekaden lag der Schwerpunkt des Dohlenvorkommens in den Gemeinden Hanau, Großkrotzenburg und Erlensee. Danach eroberten sie das mittlere Kinzigtal und inzwischen brüten sie auch in den Kirchtürmen von Birstein, Brachttal, Bad Soden-Salmünster, Steinau sowie in Bad Orb, im Biebergrund und im Freigericht. Die Folge: Ein immer intensiver werdender Konkurrenzkampf um viele der raren Brutplätze in Scheunen und Kirchtürmen für die Falken.

Ursprünglich galt das von Peter kreisweit initiierte Artenschutzprogramm „Brutplatzschaffung für Turmbrüter im MKK“ insbesondere der ehemals vom Aussterben bedrohten Schleiereule. Nach vorübergehender Bestandserholung ist der Bestand der „weißen Eule“ nicht nur im Kreisgebiet seit Jahren wieder auf einem besorgniserregenden Bestandsniveau. Sicherlich spielt hier neben weiteren Faktoren auch der zunehmende Konkurrenzkampf um die Brutplätze eine Rolle.
upn

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