Nachwuchs-Offensive

Backen lernen lohnt sich: Bäckerei-Azubis haben deutlich mehr Geld im Portemonnaie. „Damit wird die Ausbildung am Backofen und Verkaufstresen in Bäckereien deutlich attraktiver“, so die Bäcker-Gewerkschaft NGG Rhein-Main. Foto: PM

Main-Kinzig-Kreis – Bäckerei-Azubis backen keine kleinen Brötchen mehr: Wer in den 116 Bäckereien oder in deren Filialen im Main-Kinzig-Kreis eine Ausbildung macht, hat jetzt deutlich mehr im Portemonnaie. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung hin.

Es gebe eine wesentlich höhere Ausbildungsvergütung: „Wer seine Ausbildung anfängt, geht mit mindestens 860 Euro im Monat nach Hause. Das sind 180 Euro mehr als bislang. Im zweiten Ausbildungsjahr gibt es 190 Euro zusätzlich. Und im dritten bekommt der Bäckerei-Nachwuchs 1085 Euro – ein Plus von 200 Euro. Im Schnitt haben die Bäckerei-Azubis damit rund ein Viertel mehr auf dem Konto“, sagt der Geschäftsführer der NGG Rhein-Main, Hendrik Hallier.

Außerdem werde es bis zum Jahresende noch eine Inflationsausgleichsprämie von 50 Euro pro Monat geben. Die NGG Rhein-Main ruft alle Bäckerei-Azubis im Main-Kinzig-Kreis zu einem „Azubi-Konto-Check“ auf. „Wer das zusätzliche Geld noch nicht bekommt, sollte sich melden. Dazu gibt es auch noch ein Ticket-Geld von 29 Euro im Monat für den ÖPNV. Da kommt also einiges zusammen“, erklärt Hallier. Für die deutlich bessere Bezahlung des Bäckerei-Nachwuchses habe sich die NGG in zähen Verhandlungen am Tariftisch stark gemacht. „Jeder Azubi in einer Bäckerei profitiert jetzt davon: Egal, ob es um die Ausbildung in der Backstube oder am Verkaufstresen geht. Wichtig ist, dass der Tarifabschluss für alle Betriebe gilt“, wird Hallier zitiert. Für die „Azubi-Tarife“ gelte eine Allgemeinverbindlichkeit. Dafür habe sich die Gewerkschaft NGG zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks beim Bundesarbeitsministerium eingesetzt.

„Die Branche startet damit eine ’Azubi-Offensive’. Und das ist auch dringend notwendig. Denn nur so haben die Bäckereien im Main-Kinzig-Kreis überhaupt die Chance, Nachwuchs zu bekommen“, sagt Hallier. Er spricht vom „Akut-Problem Azubi-Schwund“: Die Azubi-Zahlen bei den Bäckereien im Main-Kinzig-Kreis seien dramatisch um rund 60 Prozent eingebrochen. In allen Bäckereien im Main-Kinzig-Kreis gebe es derzeit lediglich 26 Auszubildende. „Zehn Jahre zuvor waren es 65 Bäckerei-Azubis.“ Die NGG berufe sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Laut Hallier geht es jetzt darum, diesen Trend zu stoppen. Der Tariflohn sei wichtig, um Bäcker und Fachverkäuferinnen bei der Stange zu halten. Denn die Qualität der Produkte stehe und falle damit, ob ausgebildete Profis in der Bäckerei arbeiteten.

Mehr Informationen gibt es bei der Bäcker-Hotline der NGG: unter z 040 38013265.  sam