Staatsfeinden in den Weg gestellt

Mehr als 200 Menschen haben in Neuenhaßlau gegen die Ansiedlung der als extremistisch eingestuften Organisation „Königreich Deutschland“ demonstriert. Foto: Andreas Ziegert

Über 200 Menschen haben in Hasselroth gegen den geplanten Standort einer Reichsbürger-Organisation protestiert.

Hasselroth – In den Tagen zuvor hatte sich die Nachricht im Ort rumgesprochen, dass im Ortsteil Neuenhaßlau ein Lebensmittelgeschäft mit dem Namen „Paradiesgarten“ eröffnen sollte – das allerdings wohl nur als Vorwand gedient hätte, um der staatsfeindlichen Organisation „Königreich Deutschland“ einen weiteren Standort zu ermöglichen.

Nachdem der Protest in Hasselroth gegen diese Pläne in Hasselroth immer größer wurde, sagten die Organisatoren ihre geplante zweitägige Eröffnungsveranstaltung wieder ab.

Demonstriert und vor allem protestiert wurde dennoch in der Bahnhofstraße im Hasselrother Ortsteil Neuenhaßlau. Zuvor hatte sich die Gemeindevertretung bereits in einer Resolution gegen jegliche Pläne von Reichsbürger-Organisationen ausgesprochen.

Bürgermeister Matthias Pfeifer (Soziale Wählergemeinschaft) wiederholte auf der Demonstration seinen Appell, sich von derartigen Staatsfeinden nicht einlullen zu lassen: „Seit Sonntag ist die Welt in Hasselroth nicht mehr so, wie es war.“

Für Landrat Thorsten Stolz (SPD) darf es im Main-Kinzig-Kreis keine Toleranz geben, „für Gruppen, die die Verfassung der Bundesrepublik ablehnen und rechtsstaatliche Normen bekämpfen“. Während der Woche hatten beide bereits Gespräche mit Polizei und Verfassungsschutz geführt, dort wird die Organisation „Königreich Deutschland“ als extremistisch eingestuft.

Dass offenbar mit viel Geld Grundstücke gesucht werden, um sogenannte „Gemeinwohldörfer“ zu errichten, ist übrigens schon länger bekannt; dass sie ausgerechnet im Hasselrother Ortsteil Neuenhaßlau fündig wurden, hatte allerdings niemand erwartet. Dass Reichsbürger, die nicht nur die Staatsform in Deutschland ablehnen, sondern beispielsweise auch eine eigene Währung einführen wollen, nicht in Hasselroth willkommen sind, zeigten zahlreiche Bürger bei der Demonstration: „Nieder mit dem König“, stand auf einem der Plakate, „Nein zu Verfassungs-Gegner’innen“ auf einem anderen. Die Durchgangsstraße in Neuenhaßlau war für den Verkehr von Polizei und Feuerwehr extra gesperrt worden, zwischen Zahnarzt und ehemaligem Metzgerladen tummelten sich nicht nur Hasselrother, auch aus den umliegenden Gemeinden waren Unterstützer gekommen.

Ob der „Spuk“ damit für Hasselroth allerdings tatsächlich vorbei ist, muss sich erst zeigen. Auf der Homepage der Organisation „Königreich Deutschland“ wird der Standort weiterhin als Ein- und Auszahlungsstelle aufgeführt, bei der Absage der Eröffnungsveranstaltung war der Rückzug zudem als „Schachzug“ bezeichnet worden. „Wachsam bleiben“, lautete daher auch der Tenor auf der Demonstration am Samstag, ein „Paradiesgarten“ von Reichsbürgern will man auch in Zukunft nicht in Hasselroth haben.

Ganz allein ist die Gemeinde mit ihren Sorgen vermutlich nicht: Die Vermieter des geplanten Standorts vom „Königreich Deutschland“ in der Bahnhofstraße in Neuenhaßlau sollen erst vor Kurzem in die Nachbargemeinde Rodenbach umgesiedelt sein. Gut möglich, dass es dort bald zu ähnlichen Aktivitäten kommt.
upn

VON ANDREAS ZIEGERT

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