75 Jahre Ideenreichtum und Menschlichkeit

Martin Barschke, Vorstand der Inneren Mission Frankfurt, dankt Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit Ihrer Arbeit in den Pflegeeinrichtungen Schloss Meerholz über Jahrzehnte richtungsweisende Standards gesetzt haben. Foto: pm

Gelnhausen – Es begann in einer Zeit der Not: 1946 lag Frankfurt in Trümmern, intakter Wohnraum war

knapp, und das Gesundheitsamt Frankfurt suchte gemeinsam mit der Inneren Mission dringend nach einer Unterkunft für zahlreiche alte und kranke Menschen. Schloss Meerholz, das sich im Besitz der Stadt Frankfurt befand, stand größtenteils leer.

Allerdings hatten noch andere potenzielle Nutzer ein Auge auf das Schloss geworfen, weshalb kurzerhand in einer Nacht-und-Nebel-Aktion alte und schwerstkranke Menschen von Frankfurt nach Meerholz gebracht und damit Fakten geschaffen wurden – der Grundstein von Schloss Meerholz als Pflegeeinrichtung der Inneren Mission war gelegt.

Heute, 75 Jahre später, versammelte sich eine kleine Schar geladener Gäste – ehemalige und derzeit leitende Mitarbeiter, Freunde und Gönner der Pflegeeinrichtungen sowie politische Entscheidungsträger – zur Feierstunde im Schlosspark, wo sie von Wilfied Knapp, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Inneren Mission begrüßt wurden.

Dr. Wiegand, der Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Diakonische Pflege Kinzigtal, der seinen Sitz im Schloss hat, strich in seinem Grußwort die Offenheit der Pflegeeinrichtungen hervor. „Es macht Spaß, auf diesem Gelände zu arbeiten.“ Mit den Worten „Schloss Meerholz ist ein Schloss des Lebens“ lobte Gelnhausens Bürgermeister Daniel Glöckner in seiner Ansprache ebenfalls die Offenheit der Einrichtung. Pfarrer Martin Barschke, Theologischer Vorstand der Inneren Mission Frankfurt, sprach allen, die an der Jubiläumsschrift mitgearbeitet haben, seinen Dank aus. Sein besonderer Dank ging an langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahrzehnten die Pflegeeinrichtungen Schloss Meerholz besonders geprägt haben.

Beinahe von Anfang an dabei war Christine Karl, die von 1949 bis 1995 als Altenpflegerin im Schloss tätig war und die maßgeblich am Aufbau der bundesweit ersten Therapieabteilung beteiligt war; Karl-Heinz Rothländer, in dessen Zeit als Pflegedienstleiter von 1976 bis 2009 die erste Tagespflege eröffnet wurde und der bei der Fortbildung und Qualifizierung von Mitarbeitenden Standards gesetzt hatte; Barbara Noll, die als Sozialpädagogin den Sozialdienst im Schloss gründete und in diesem Jahr nach 36 Jahren in den Ruhestand geht; der ehemalige Küchenchef und Hauswirtschaftsleiter Hubert Tomec, der von 1976 bis 2014 16 Köche und rund 30 Hauswirtschafterinnen ausgebildet hat und der auch im Ruhestand noch für das Schloss tätig ist; Bernd Noll, der seit 1994 als Leiter des Technischen Dienstes jeden Stein im und am Schloss kennt, und Anna Jost, die von 1993 bis 2018 in der Verwaltung tätig war.

Mit einem Geburtstagsständchen wurde Danny Borkowski von den Anwesenden überrascht. Mit 47 Dienstjahren ist er der altgedienteste Mitarbeiter der gesamten Inneren Mission und, obwohl seit 2019 offiziell im Ruhestand, als 450-Euro-Kraft immer noch im Schloss aktiv. Geschäftsführerin Andrea Behrens bedankte sich bei allen Geehrten mit persönlichen Worten und einem Blumenstrauß.

Das Buch zum Jubiläum unter dem Titel „Ideenreichtum und Menschlichkeit“ stellten der Historiker Dr. Holger Köhn sowie Christian Hahn vom Büro für Erinnerungskultur aus

Babenhausen vor. In dem Buch sind sowohl die Geschichte der Einrichtung von 1946 bis heute als auch der Werdegang der Menschen beschrieben, die die Pflegeeinrichtungen zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Besonders unterhaltsam waren Ausschnitte von Zeitzeugen-Interviews, die auf zwei großen Videoleinwänden gezeigt wurden. Auf die Frage, ob sie sich denn vorstellen könnten, ihren Lebensabend selbst im Schloss Meerholz zu verbringen, antworteten alle der Interviewten mit „das kann ich mir sehr gut vorstellen!“ „Ich hätte sogar schon ein Wunschzimmer mit Blick auf den Park“, ergänzte Anna Jost.

„Schloss Meerholz ist ein integraler Bestandteil der Gemeinde und kein abgeschlossener Raum“, erläuterte Holger Hothum, Kaufmännischer Vorstand der Inneren Mission Frankfurt, zum Abschluss der Veranstaltung die Philosophie der Leitungsrunde.

Die Einrichtung habe vor allem in Sachen Öffentlichkeitsarbeit Zeichen gesetzt, mit der Öffnung des Parks, Feiern, Festen und Veranstaltungen sowie der Einbindung örtlicher Vereine und sogar der Kindergärten. upn

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